Richard Wolff, der 22. Prediger des Bezirks Edewecht/Westerstede(1925 – 1927)
- Johann Lüschen

- 24. Feb.
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Richard Wolff war von 1925 bis 1927 Prediger des Edewechter Bezirks der Methodistenkirche mit den beiden Gemeinden Edewecht und Westerstede.
Zwar sollen in den Predigten seines Amtsvorgängers, Prediger Adolf Schwing, prophetische Elemente enthalten gewesen sein. Daran hatte er in seiner Abschiedspredigt aber sicher nicht gedacht, sonst hätte er wohl nicht ausgerechnet den folgenden Bibeltext bei seiner Abschiedspredigt gewählt: „Nach mir kommen reißende Wölfe, die die Herde zerstreuen werden." Ganz so schlimm kam es dann ja doch nicht!
Es findet sich keine Karteikarte über ihn im Zentralarchiv der EmK in Reutlingen. Das könnte bedeuten, dass er ein Quereinsteiger war, d. h., dass er in einer nichtmethodistischen Ausbildungsstätte studierte. Weil er später von der Kirche entlassen wurde, konnte im Archiv auch kein Nachruf gefunden werden.

Richard wurde 1889 geboren. Seine Eltern und Vorfahren waren angesehene Bürger und haben wichtige Ämter bekleidet. Die Stadt Storkow (Brandenburg) übernahm als Dank dafür die Pflege und Unterhaltung der Gräber.
Er war mit der ebenfalls aus Storkow stammenden Luise Grasnick verheiratet. Bekannt sind aus der Familie die Kinder Wolfgang und Ursula. Ursula starb als Schwesternhelferin mit 17 Jahren an Typhus. Eine weitere Tochter wurde Lehrerin.
Es gab auf dem Bezirk Edewecht/Westerstede ein Ereignis, weswegen er seine Predigerlizenz verlor. Der Anlass war aber wohl nicht so gravierend, denn er betreute die Gemeinde noch für ein Jahr als Laienprediger. Leider konnte ich in den Unterlagen der Gemeinde keine Informationen darüber finden, was damals geschah.
1925 wurde er von der Methodistenkirche mit seiner Familie nach Edewecht versetzt. Darüber heißt es in einem Bericht des Superintendenten an die Norddeutsche Jährliche Konferenz: „Land und Leute gefielen ihm sogleich, aber die Wohnung nicht. Das war begreiflich, sie war eben zu klein. In der größten Not findet man auch einen Ausweg. Wir bauten den Dachboden aus und verbesserten dadurch die Wohnung“.
Das erste Edewechter Dienstjahr fasst der Superintendent zusammen: „In der Gemeinde ist es verhältnismäßig gut gegangen. 13 schlossen sich auf Probe an. Durch Wegzug und Entlassungen hat die Zahl um 5 abgenommen“.
Dann kam, wie gesagt, seine Entlassung. Das Konferenzprotokoll verschweigt uns die Hintergründe.
Eine eigenartige Situation entstand: Edewecht-Westerstede hat seinen rechtmäßigen Prediger H. Böning nicht bekommen können. Weil aber Richard Wolff und seine Familie nicht so schnell einen Arbeits- und Wohnungswechsel vornehmen konnte wie die Kirchenleitung es wollte, blieb Prediger Böning ein weiteres Jahr in Braunschweig. Unserer Kirche und Gemeinde bot Prediger Wolff an, als ordinierter Laienprediger den Bezirk Edewecht/Westerstede weiter zu leiten. Das rechnete ihm die Kirche gut an und er wird mit den Worten des Superintendenten verabschiedet: „Ich bemerke gern, dass er das ganze Jahr die Arbeit tat mit aller Treue und Gewissenhaftigkeit als wäre er Konferenzmitglied. Meine besten Wünsche, begleiten ihn und seine liebe Familie.“
Sein zweites Jahr auf dem Bezirk wird im Konferenzprotokoll beschrieben: „Die Gemeinde hatte ein gutes Jahr. In unserer Kapelle in Westerstede hat im Lauf des Jahres Bruder H. Barkemeyer, Mitglied der Mitteldeutschen Konferenz, Wohnung genommen.“
Prediger Wolff hatte 14 Predigtplätze zu betreuen. In seine Amtszeit fielen 9 Taufen (darunter meine Tante Emma Schneller, geborene Lüschen), 3 Trauungen und 8 Beerdigungen (darunter meine Urgroßmutter Wemke Grüßing, geborene Kramer, von Ihausen), die er sehr gewissenhaft und mit einer gestochenen, fast künstlerischen Handschrift im Kirchenbuch dokumentierte. Ein schönes von ihm ausgefertigtes Dokument ist diese Einsegnungsurkunde:
Einsegnung 1926. Prediger Wolff mit 12 „Einsegnungskindern“, 11 Jungs und 1 Mädchen. Vordere Reihe: Henni Treis, August Hedemann, Fritz Helmerichs, Richard Wolff, Richard Eilers, Gerhard Brunßen, Martha Breier. Hintere Reihe: Otto Reschke, Friedel Twiest, Adolf Janssen, Gerhard Kayser, Heini Grüßing, Rolf Ottersberg.
1928 zogen Richard und Luise nach Storkow. Luise erbte das Haus „Am Markt 11“. In ihm eröffnete Richard Wolff ein Papierwarengeschäft. 1945 wurde das Haus von der russischen Militärverwaltung beschlagnahmt. Außerdem wurde das Vermögen der Familie Wolff eingezogen.
Richard Wolff lebte noch 1951. Danach habe ich keine schriftlichen Spuren seines Lebens. Sein Enkel Peter erinnert sich 2009 in einem Zeitungsinterview an seinen Großvater: „Mein Großvater hatte ein Papierwarengeschäft. Wenn am 31. Dezember um 23 Uhr noch jemand Feuerwerkskörper kaufen wollte, wurde bei Richard Wolff geklopft“.
1951 kam er mit den Gesetzen der DDR in Konflikt. In seinem Geschäft soll er Westware zum Verkauf angeboten haben. Als Ordnungsstrafe wurde die „entschädigungslose Einziehung der 32 Schreibmaschinenradiergummi, 10 Gummischwämme und 23 Radiergummi“ angeordnet.




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