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Flucht und Vertreibung, Teil 4: „Sie konnte so guten Mohnkuchen backen“

  • Autorenbild: Heimatarchiv Team
    Heimatarchiv Team
  • 20. Dez. 2025
  • 10 Min. Lesezeit

nach Erzählung von Brigitta Fischer geb. Fichtner vom 05.04.2024, Traute Dolleschel geb. Fichtner vom 04.08.2025 und Werner Herks vom 30.07.2025, ergänzt um weitere Quellen


 

Das Dorf Poischwitz (heute polnisch Paszowice) lag am Rand der fruchtbaren niederschlesischen Ebene an der Fernstraße 154, ca. 70 km von Breslau (heute Wroclaw) entfernt. Der Ort zog sich aus dem Flachland in die waldigen Vorberge des Riesengebirges hinein. Poischwitz war die größte und längste Landgemeinde des Kreises Jauer (heute Jawor). Der fruchtbare Boden brachte gute Ernte. Im Volksmund sprach man gelegentlich auch vom „Dorf der 99 Bauern“. Die Einwohnerzahl von 1.661 war im Jahr 1761 erreicht, im Jahr 1945 waren es bereits 2.104 Menschen, die Poischwitz bewohnten.

 

Hier lebte 1945 auch die Familie von Erwin Fichtner (*1905) auf einem Bauerngut zur Größe von 17 ha, das er von seinem bereits vor 1932 verstorbenen Vater, Gustav Fichtner, übernommen hatte. Neben seiner Ehefrau Herta geb. Tirschler (*1906), mit der er seit 1932 verheiratet war, waren das die Kinder Dietmar (*1932), Manfred (*1935), Brigitta (*1936) und Traute (*1938). Weiterhin lebten auf dem Hof die Mutter von Erwin Fichtner, Marie Fichtner (*1871), sowie seine ledige Schwester, Frieda Fichtner (*1900), die sich um die pflegebedürftige Mutter kümmerte.

 


Hof mit Nebengebäuden der Familie Fichtner in Poischwitz in den 30er Jahren
Hof mit Nebengebäuden der Familie Fichtner in Poischwitz in den 30er Jahren


Elternhaus von Herta Fichtner. Die Hofstelle der Familie Tirschler in den 30er Jahren
Elternhaus von Herta Fichtner. Die Hofstelle der Familie Tirschler in den 30er Jahren


Erwin Fichtner stolz auf einem seiner Pferde in den 30er Jahren
Erwin Fichtner stolz auf einem seiner Pferde in den 30er Jahren

Im letzten Jahr des 2. Weltkrieges wurde die Situation in Poischwitz immer kritischer. Am 12. Februar 1945 floh die Familie Fichtner vor den herannahenden russischen Truppen aus Poischwitz/Niederschlesien. Die nur 5 km entfernt liegende Kreisstadt Jauer wurde zu diesem Zeitpunkt bereits von Artillerie und Fliegern beschossen.


Ein großer Treck aus dem Dorf Poischwitz setzte sich in Richtung Tschechoslowakei (damals Protektorat Böhmen und Mähren, welches unter deutscher Besatzung stand) in Bewegung. Neben Herta Fichtner mit ihren Kindern Dietmar, Manfred, Brigitta und Traute waren noch die drei Tanten, Frieda, Minna und Meta sowie Oma Marie dabei. Weiterhin wurden sie von einem französischen Kriegsgefangenen, der als Helfer auf dem Hof eingesetzt war, und einer aus der Ukraine stammenden Magd begleitet. Der Landwirt Erwin Fichtner, Ehemann von Herta Fichtner und Vater der Kinder, war seit 1943 als Soldat an der russischen Front.


Der Weg führte durch gebirgiges Gelände in Richtung Siebenhuben (Ortsteil der Stadt Radkow, damals Wünschelburg). Die Flucht endete nach mehreren Tagen im ca. 120 km entfernten Königgrätz (heute: Hradec Kralove, Tschechien).


Bis zum Kriegsende lebte die Familie in einem Zimmer bei einer Familie. Die Behandlung durch die Tschechen ist Brigitta und Traute in keiner guten Erinnerung.


Im Mai 1945, eine Woche nach Kriegsende, erfolgte der Rückmarsch aus Königgrätz. Auf dem Weg nach Hause wurde die kleine Flüchtlingsgruppe von russischen Soldaten überfallen und die Pferde abgenommen. Lediglich ein altes Pferd mit einem „Klumpfuß“ blieb ihnen. Traute Dolleschel erinnert sich, dass sich die Frauen und Mädchen immer vor den russischen Soldaten verstecken mussten, um nicht deren Opfer zu werden. Endlich kehrte die Familie Fichtner in ihren Heimatort Poischwitz zurück. Das Wohnhaus und die Stallungen waren von den Russen geplündert worden. Sämtliche Tiere waren weg. Das Wohnhaus wurde nun von vertriebenen Polen bewohnt. Die Eigentümer des Hofes, die Familie Fichtner, musste in einem Nebengebäude auf dem Hof wohnen. Vor Hunger wurde das letzte verbliebene Pferd (mit dem Klumpfuß) geschlachtet. Ein Teil davon wurde verkauft, um etwas Geld zu haben. Der Rest diente der eigenen Versorgung. Mit den vorhandenen Mitteln wurden die durch die Kriegshandlungen zerstörten Ackerflächen bestmöglich planiert und gerade noch rechtzeitig bestellt, um Vorräte für den nächsten Winter zu haben. Aber die Ernte wurde im Herbst komplett von den Russen und Polen eingefahren.


So lebte die Familie Fichtner unter schwierigsten Bedingungen in ihrem Heimatort. Die Verhältnisse hatten sich umgekehrt. Als Bürgermeister fungierten jetzt Polen. Ehemalige polnische Knechte fuhren in den Bauerkutschen durch den Ort, wobei der deutsche Bauer auf dem Kutschbock saß.


An folgende Begebenheit kann sich Traute Dolleschel noch gut erinnern: Da Brigitte und Traute lediglich eineinhalb Jahre auseinander sind, hat ihre Mutter Herta oftmals die gleichen Kleider für die beiden Mädchen gekauft. Herta hatte noch einen Schlüssel für das Haupthaus. Sie ist dann dort hineingeschlichen und hat jeweils ein Kleid mitgenommen, in der Hoffnung, dass es nicht auffällt. Doch es kam heraus. Daraufhin sollte Herta inhaftiert werden. Das konnte nur verhindert werden, da ihr Schwager, Richard Obst, einen guten Kontakt zu einem Polen hatte, der dann die Inhaftierung verhindern konnte.

 

Anfang August 1946 kam dann der Befehl zur Evakuierung. Von der Hofstelle Fichtner waren wieder Herta Fichtner mit ihren vier Kindern, sowie Tante Frieda und Tante Meta mit ihrem Mann Richard Obst (der wegen einer Kriegsverletzung zu Hause war) betroffen. Weiterhin Oma Marie Fichtner. Da sie, wie auch Tante Meta, nicht laufen konnte, wurde sie in einem Korbstuhl auf einen Handwagen gehievt bzw. zeitweise im Korbstuhl getragen. Weitere Verwandte wurden in anderen Gruppen ebenfalls zum Verlassen des Heimatortes gezwungen. Ein Onkel, Gustav Sommer, musste bleiben, da er als Schmied von den russischen Besatzern zum Beschlagen der Pferde benötigt wurde.


Jede Person durfte einen Rucksack mitnehmen. Bereits auf dem Weg zum Bahnhof nach Jauer wurden die Rucksäcke von polnischen und russischen Soldaten kontrolliert und geplündert. Das gleiche passierte auf dem Bahnhof in Jauer nochmals, so dass vom allernötigsten Hab und Gut fast nichts mehr übrig blieb.


Familie Fichtner wurde in einen geschlossenen Viehwaggon verfrachtet. Hier wurde sie mit vielen anderen Personen zusammengepfercht. Für die Notdurft stand ein Blecheimer in der Ecke des Waggons. Körperpflege war nicht möglich. Das Ziel des Zuges war den Insassen nicht bekannt. Letztendlich endete die Odyssee für Herta Fichtner und ihre Kinder am 07. August 1946 auf dem Bahnhof in Edewecht.


Von dort wurde sie mit ihren Kindern nach Jeddeloh II in eine Notunterkunft transportiert. Zwei Tage später erfolgte dann die Zwangseinweisung bei der Familie Herks in Jeddeloh I-Rüsseldorf. Die in der Flüchtlingsgruppe befindliche ledige Schwester von Erwin Fichtner, Frieda Fichtner, wurde zusammen mit ihrer Mutter Marie bei Diedrich Bövers in Jeddeloh II einquartiert.


Die Situation insgesamt war nicht einfach. Weder für die einheimische Bevölkerung, noch für die Flüchtlinge.


Die Hofstelle Herks in Jeddeloh I war zum Ende des Krieges im Mai 1945 nicht von Zerstörungen betroffen. Im August 1946 lebten dort die Großeltern von Werner Herks, Wilhelm Herks mit seiner Ehefrau Anna, sowie seine Mutter, Emma Herks. Weiterhin noch die Eltern von Emma Herks, da diese aufgrund der Kriegshandlungen Haus und Hof in Scheps verloren hatten. Sein Vater, Georg Herks, war zu dem Zeitpunkt noch in englischer Kriegsgefangenschaft. Somit musste Emma Herks den Hof zusammen mit ihren Schwiegereltern alleine bewirtschaften. Georg Herks kam noch vor 1948 aus der Kriegsgefangenschaft zurück.


Herta Fichtner bekam im Wohnbereich des landwirtschaftlichen Anwesens der Familie Herks ein ca. 20 qm großes Zimmer zur Verfügung gestellt, in dem sie mit Brigitta und Traute in einem Doppelbett schlafen konnte. Das Zimmer ging direkt von der Küche ab. Dietmar und Manfred hatten ihr Schlafquartier in einer Knechtkammer, die direkt von der Diele abging.


Die Küche bzw. der Herd wurden nach einem genauen Plan wechselweise von Familie Herks und Herta Fichtner genutzt. Herta durfte und musste sämtliche Küchenutensilien der Familie Herks nutzen, da sie ja alles in Poischwitz zurücklassen musste. Die Lebensmittel gab es mit entsprechenden Marken auf Zuteilung von der Gemeinde.


Werner Herks kann sich daran erinnern, dass seine Oma, Anna Herks, sehr unter der Situation gelitten hat, fremde Menschen bzw. Flüchtlinge in ihrem Haus aufnehmen zu müssen. (Diese Aussage wurde auch in Gesprächen mit Brigitta Fischer und Traute Dolleschell bestätigt). Lt. Traute Dolleschel hat Anna Herks ihren Mann Wilhelm bei der Ankunft der Flüchtlingsfamilie zum Ortsvorsteher geschickt, um zu erwirken, dass Herta Fichtner nicht bei Herks einquartiert wird. Vergebens!


Grundsätzlich war der Umgang miteinander auf dem Hof unter den schwierigen Rahmenbedingungen aber gut. Der damals jugendliche Dietmar hat viel in der Landwirtschaft z.B. bei der Rübenernte geholfen und ab dem 01.05.1948 eine Lehre zum landwirtschaftlichen Gehilfen bei Wilhelm Herks absolviert, die er im März 1950 mit einem guten Zeugnis abschloss. Brigitta und Traute mussten im Haushalt unterstützen. Aus Erzählungen von Dietmar ist bekannt, dass der Opa Wilhelm Herks viel geschnitzt und Dietmar die plattdeutsche Sprache beigebracht hat.

 


Hofstelle Herks in Jeddeloh I, Rüsseldorf. Hier wurde Herta Fichtner mit den Kindern im August 1946 aufgenommen und lebte dort bis Anfang der 50er Jahre
Hofstelle Herks in Jeddeloh I, Rüsseldorf. Hier wurde Herta Fichtner mit den Kindern im August 1946 aufgenommen und lebte dort bis Anfang der 50er Jahre

Relativ zeitnah nach der Ankunft bei der Familie Herks bestand für die Kinder die Möglichkeit, wieder in die Schule Am Kälberhof in Jeddeloh I zu gehen. Sie wurden um einen Jahrgang zurückgesetzt, da sie in Poischwitz aufgrund der Kriegswirren seit ca. einem Jahr nicht mehr zur Schule gegangen waren. Für Dietmar war das ein herber Rückschritt, hatte er doch in Schlesien bereits seit zwei Jahren die weiterführende Oberschule in Jauer besucht. Brigitta erinnert sich, dass insbesondere die Lehrer anfangs nicht so gut mit den Flüchtlingskindern umgegangen sind. Unter den Mitschülern fanden sich aber schnell Freunde, so dass hier zumindest relativ rasch eine Integration stattfand.


Die Konfirmation von Dietmar wurde im März 1947 nachgeholt. Zu diesem feierlichen Anlass musste er eine kurze Hose und viel zu große hohe Schuhe tragen, da sonst nichts vorhanden war. Lt. Aussage seiner Schwester Traute war diese Situation für Dietmar sehr erniedrigend.


Im Dezember 1948 kam Erwin Fichtner aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück. Brigitta Fischer erinnert sich an den Moment, in dem Frau Herks in deren Zimmer kam und Herta Fichtner sagte, dass ein fremder Mann vor der Tür stünde. Das ereignete sich kurz vor Weihnachten, da Erwin Fichtner am 22.12.1948 amtlich in Jeddeloh I bei Fam. Herks gemeldet wurde.


Ab diesem Tag wohnte Erwin zusammen mit seiner Frau Herta und den beiden Töchtern in dem vorgenannten Zimmer. Erwin Fichtner ging relativ schnell nach seiner Rückkehr einer Arbeit im Moor in Jeddeloh II beim Torfwerk Wirsing (wo Brenntorf gewonnen wurde) nach, um seine Familie zu versorgen.


Familie Fichtner Ende der 40er/ Anfang der 50er Jahre. V.L.: Traute, Manfred, Herta, Erwin, Brigitta, Dietmar
Familie Fichtner Ende der 40er/ Anfang der 50er Jahre. V.L.: Traute, Manfred, Herta, Erwin, Brigitta, Dietmar

Über den Suchdienst des Roten Kreuz gelang es, zu erfahren, wo die näheren Verwandten geblieben waren. So waren die Eltern von Herta Fichtner, Selma und Richard Tirschler, mit der Schwester von Herta Fichtner, Lieselotte Hörner, in Ocholt untergekommen. Brigitta erinnert sich, dass sie für einen Besuch bei Oma und Opa zu Fuß von Rüsseldorf ins 20 km entfernte Ocholt marschiert sind.


Anfang der 50er Jahre zogen Herta und Erwin Fichtner mit ihrer Tochter Traute in ein Haus an der Ecke Friedrichsfehner Straße/Schulstraße in Friedrichsfehn, neben der Firma Hilgen (Heute befindet sich in dem Gebäude nach mehreren An- und Umbauten das Cafe-Bistro-Pizzeria „Kontakt“). Dort bewohnten sie die Oberwohnung. In der Erdgeschosswohnung wohnte eine Familie Sehning. Traute wechselte zur Schule nach Friedrichsfehn und wurde hier 1953 konfirmiert.

 

In diesem Haus in Friedrichsfehn bezogen Herta und Erwin Fichtner mit ihrer Tochter Traute Anfang der 50er Jahre ihre erste Mietwohnung
In diesem Haus in Friedrichsfehn bezogen Herta und Erwin Fichtner mit ihrer Tochter Traute Anfang der 50er Jahre ihre erste Mietwohnung


Werner Herks erinnert sich gut an Herta Fichtner. Sie sei eine sehr liebe Frau gewesen. Insbesondere ihren guten Mohn- und Streuselkuchen mochte er sehr gerne. Werner Herks hat die Familie Fichtner als Kind und Jugendlicher noch des Öfteren in Friedrichsfehn besucht.


Wie ging es für die Familie Fichtner in der neuen Heimat weiter?


Herta Fichtner wohnte zusammen mit ihrem Mann Erwin und der Tochter Traute in Friedrichsfehn. Sie verstarb schon im Jahr 1958 nach einer schweren Krankheit im Krankenhaus in Oldenburg.


Erwin Fichtner arbeitete weiterhin beim Torfwerk. Später wechselte er zur Firma Meica nach Edewecht. Er zog 1961 mit seiner jüngsten Tochter Traute nach Jeddeloh I, Auf der Harre, in eine Oberwohnung bei der Familie Raczinski. Nach dem Auszug von Traute zog er im April 1965 zur Familie seines Sohnes Dietmar auf den Süderesch nach Edewecht. Dort wohnte er bis zu seinem Tod am 23.03.1986.


Dietmar Fichtner arbeitete nach seiner Ausbildung bei Herks ab dem 01.November 1951 als „Knecht“ auf dem Hof von Georg Ahlers (Vater von Ida Ahlers) in Nord-Edewecht an der Molkereistraße. Ab April 1953 wechselte er zum Torfwerk Wirsing und anschließend zur Fa. Vehnemoor. Ab November 1953 war er beim Ing. Büro Rathjens in Meppen angestellt. Dort arbeitet er auf einem Baggerschiff bei der Vertiefung der Ems. Im Jahr 1955 hatte Dietmar einen schweren Motorradunfall, bei dem er sich erhebliche Verletzungen zuzog. Anschließend war er für längere Zeit arbeitsunfähig. Ab März 1956 hatte er Arbeit in einem Betonwerk in Oldenburg. 1957 wechselte er dann zur Firma Meica nach Edewecht. Dort war er bis zum Eintritt in die Rente am 31.10.1993 beschäftigt


Im Juni 1957 heiratete er die gebürtige Portslogerin Wilma Bloy (Bley). Aus der gemeinsamen Oberwohnung am Viehdamm zogen Wilma und Dietmar Fichtner im Jahr 1959 in ihr Eigenheim auf den Süderesch in Edewecht. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Dietmar Fichtner verstarb 2019. Wilma Fichtner 2021.


Exkurs:

Wilma Fichtner erzählte oftmals, dass ihre Oma sie seinerzeit immer gewarnt habe, sich mit einem Flüchtling einzulassen. Sie hatte größte Bedenken, dass Wilma in die Ferne nach Schlesien ziehen müsse, wenn Dietmar wieder in die Heimat zurückkehren würde.


Manfred Fichtner trat nach der Schule am 20.04.1949 ins Berufsleben ein. An diesem Tag begann seine Lehre als Maschinenschlosser bei der Firma Georg Bünting in Jeddeloh I. Nach Abschluss der Ausbildung wechselte er zur Maschinenfabrik Herzog in Oldenburg. Ab dem 07.05.1956 wechselte er dann zur Firma Emil Hilgen in Friedrichsfehn, wo er bis über den Eintritt in den Ruhestand hinaus beschäftigt war.

Im Jahr 1960 heiratete er die gebürtige Friedrichsfehnerin Lisa Meyer. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. 1965 bezogen Lisa und Manfred Fichtner ihr Eigenheim in Friedrichsfehn, Im Wiesengrunde. Manfred Fichtner verstarb 2022. Lisa Fichtner 2013.


Brigitta Fichtner wurde im März 1952 konfirmiert und ging nach der Schule am 01.04.1952 zur Familie Bünting in Jeddeloh I in den Haushalt. Am 31.03.1954 wechselte sie dann zu Dr. Krupp nach Bad Zwischenahn, um dort den Haushalt zu führen.1957 heiratete sie den ebenfalls gebürtigen Poischwitzer Waldemar Fischer, den sie 1953 auf einem Poischwitzer-Treffen in Westerstede getroffen hatte.  Ab dann wohnte sie zusammen mit Waldemar in Meyerhausen (Bad Zwischenahn). 1961 zog die Familie in ihr eigenes Haus am Langendamm in Ohrwege. Brigitta und Waldemar hatten fünf Kinder. Waldemar Fischer verstarb 2019. Brigitta Fischer lebt nach wie vor in ihrem Haus in Ohrwege.


Traute Fichtner zog 1961 zusammen mit ihrem Vater in die Oberwohnung bei Raczinski in Jeddeloh I. Bereits 1958 hatte sie den Soldaten Heinrich (gen. Heiner) Dolleschel kennengelernt, den sie 1962 in Edewecht standesamtlich heiratete. Ab dem 30.10.1962 war Heinrich Dolleschel ebenfalls in der Wohnung in Jeddeloh I gemeldet. Das geschah vor dem Hintergrund, dass Heiner so als Heimschläfer bei der Bundeswehr geführt wurde und nicht in der Kaserne in Oldenburg übernachten musste.


Traute zog 1964 zusammen mit Heiner nach Barme, da Heiner von der Bundeswehr aus nach Dörverden versetzt wurde. Hier fand im Dezember 1964 auch die kirchliche Trauung in der Kapelle in Eystrup statt. 1981 zogen die beiden dann nach Troisdorf-Spich, wo Heiner bis zum Dienstende stationiert war. 2012 erfolgte der Umzug nach Trossingen in Baden-Württemberg in die Nähe von Heiners Bruder und Familie. Heinrich Dolleschel verstarb 2022. Traute lebt nach wie vor in ihrer Wohnung in Trossingen in unmittelbarer Nähe zu ihrem Schwager und ihrer Schwägerin.


Eine Aussage von Traute Dolleschel hat mich besonders nachdenklich gemacht. In einem unserer Gespräche über die Zeit der Flucht und Vertreibung sagte sie: „Wir Kinder sind nach der Ankunft in Jeddeloh I als Flüchtling so erzogen worden, dass wir stets den unteren Weg zu gehen haben“


Marie und Frieda Fichtner

Nachdem die Mutter von Erwin Fichtner Marie zusammen mit ihrer ledigen Tochter Frieda zunächst bei Bövers in Jeddeloh II untergekommen waren, zogen sie ab dem 12.02.1952 nach Kleinscharrel in eine Unterkunft beim Landwirt Hellmerichs. Dort kümmerte sich Frieda Fichtner weiterhin um ihre Mutter. Marie Fichtner verstarb 1956 im Alter von 85 Jahren.


Frieda Fichtner wohnte ab Anfang der 70er Jahre in einer der von der Ammerländer Wohnungsbaugesellschaft seinerzeit neu errichteten Seniorenwohnungen am Hohenacker in Edewecht. Dort wurde sie von ihrem Bruder Erwin sowie der Familie von Dietmar versorgt. Mit steigender Pflegebedürftigkeit wechselte ihr Wohnsitz ab Ende der 70 er Jahre in das Alten- und Pflegeheim am Viehdamm. Dort verstarb sie 1981 Alter von 80 Jahren.

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