Edewechter Köpfe: Karl Martin Grethe - märchenhafter Aufstieg eines "Edewechter Jung" zum Leibkoch des US-Präsidenten
- Heimatarchiv Team

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Karl Martin Grethe, geboren 1935, wächst gemeinsam mit seiner Schwester Carla auf einer kleinen Siedlerstelle in Süd-Edewecht auf, in direkter Nachbarschaft zur Fleischwarenfabrik Meica. Sein Vater Willi ist damals Schlachter, seine Mutter Alice Hausfrau. Karl Grethe geht in Edewecht zu Schule, macht seinen Schulabschluß und geht als 14-Jähriger nach Bremen, um dort eine Lehre als Bäcker und Konditor zu absolvieren. Anschließend macht er eine Ausbildung als Koch; er verdient zwölf Mark im Monat.

Um sein Einkommen aufzubessern, heuert der junge Karl Grethe auf Frachtschiffen an und arbeitet dort drei Jahre lang in der Kombüse. Er bereist die ganze Welt und so entsteht der Wunsch, die Edewechter Heimat zu verlassen und auszuwandern. Im Jahr 1959 geht Grethe in die USA. Wenige Jahre später folgt ihm seine Schwester Carla, die mit ihrem Ehemann, einem Schlachter, in Amerika ihr Glück sucht und später in Süd-Dakota eine erfolgreiche Schlachterei eröffnet.

Die erste Zeit in den USA ist für Karl Martin Grethe, der zudem anfangs kaum Englisch spricht, schwer. Zunächst zerschlägt sich ein Angebot, eine Stelle als Koch im Sheraton-Hotel in New York anzutreten. Er reist nach Süden und landet in Fort Myers in Florida. Hier arbeitet er in einem Restaurant als Tellerwäscher für 40 Dollar die Woche, weiterhin als Gemüseputzer. Das Glück ist auf seiner Seite, als für eine Party ein Konditor benötigt wird. Karl Grethe kann sein Können unter Beweis stellen und überzeugen. Fortan arbeitet er in der Bäckerei. Von Fort Myers geht er in das für ihn verheißungsvolle Miami Beach, wo er anfangs keinen Job findet. Er hat kein Geld, schläft eine Woche lang nachts in einer Busstation und wäscht sich mit Atlantikwasser.
Schließlich gelingt es ihm, nach New York zu kommen. Eigentlich will er in einem Hotel am Broadway arbeiten. Angesichts des dortigen, schlechten Betriebsklimas bekommt er den Tipp, es besser in einem französischen Privatclub zu versuchen. Hier gehen Persönlichkeiten aus Politik und Showbusiness ein und aus. Das Blatt wendet sich für Karl Grethe zum Positiven. Nach zwei Jahren wird er aufgrund seines Talents Küchenchef des Hauses. Die neue Tätigkeit wird zu seiner beruflichen Visitenkarte. Karl Martin Grethe wechselt zur Sheraton-Gruppe und wird Küchenchef in verschiedenen US-amerikanischen Sheraton- Hotels.

Seine Karriere als Star-Koch ist nicht mehr aufzuhalten. Karl Grethe organisiert z. B. ein Essen für 3000 Gäste des US-Präsidenten Lyndon B. Johnson. Später arbeitet er als Küchenchef für US-Präsident Ronald Reagon im Weißen Haus in Washington D. C. Ein mittlerweile verblasstes Foto zeigt ihn Arm in Arm mit dem US-Präsidenten Ronald Reagan. Jahre lang lebt er Tür an Tür mit der Mutter der First Lady, Nancy Reagan. Mehrfach wird Karl Grethe aufgrund seines Könnens als „Chef of the Year“ ausgezeichnet.

In den weiteren Jahren wird er bester Küchenchef der noblen Hyatt-, Radisson- und Hilton-Hotels, u. a. am Long Beach am Pazifik. Gleich mehrere Restaurants sind ihm unterstellt. Seine wöchentliche „Kücheninspektionsreise“, die ihn auch auf die Pazifikinsel Catalina führt, absolviert er im eigenen Helikopter.


Grethe kocht also fortan in Spitzenhotels in verschiedenen Staaten der USA, in Puerto Rico und in Australien. Er sorgt selbst in Playboy-Clubs für kulinarische Genüsse. Viele „Große und Schöne“ dieser Welt lernt der Edewechter kennen, dessen Lieblingsessen Schnitzel mit Spätzle ist.

Bis zu seinem 78. Lebensjahr im Jahr 2013 arbeitet Karl Martin Grethe. Nach einem außerordentlichen, von seinem besonderen Talent geleiteten Arbeitsleben genießt er nun seinen verdienten Ruhestand im kalifornischen Santa Ana. Grethe will Bücher schreiben und damit seine Expertise an Interessierte und an die Nachwelt weitergeben. Aufgrund seines Alters kommt er nicht mehr nach Edewecht. Früher kam er häufiger mal in seinen Heimatort zu Besuch, besonders zu den Schützenfesten, die für Karl Martin Grethe das „Größte“ waren. Große Freude bereitete es ihm, alte Freunde und Bekannte wiederzutreffen, um Kindheitserinnerungen aus den 30er und 40er Jahren auszutauschen.


Zum Abschluss handschriftliche, undatierte Worte des Karl Martin Grethe, die zum Nachdenken anregen sollen:
„Jeder Krieg ist grausam, auf allen Seiten. Immer wieder werden bewaffnete Konflikte angezettelt. Dabei geht es zumeist um Macht, Profit aus Waffenkäufen, Religion, Zugang zu Wasser, Erdöl und anderen Bodenschätzen.“
„Die in den Gräbern ruhen, warten auf uns, auf uns alle. Sie wollen gar nicht, dass wir mit lauten Worten sie Helden nennen. Sie haben für uns gekämpft, verzagt, gelitten, sie sind für uns gestorben. Sie waren Menschen wie wir. Aber wenn wir in der Stille an den Kreuzen stehen, vernehmen wir ihre gefassten Stimmen: Sorgt ihr, daß ihr noch im Leben steht, daß Frieden bleibe, Frieden zwischen den Menschen, Frieden zwischen den Völkern.“
Quellen: Fotos, Artikel und Dokumente von Karl Martin Grethe und Almuth Suntay sowie Recherchen des Heimatarchivs Edewecht




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