Edewechter Köpfe: Heinrich Albrecht, der Edewechter Maurermeister und Stuckateur mit künstlerischem Talent
- Heimatarchiv Team

- 16. Jan.
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Aktualisiert: vor 4 Tagen

Edewecht 1889: „In diesen Tagen ist Maurermeister Heinrich Albrecht, der das Kaiser-Denkmal in Edewecht schuf, im Gespräch“. Er hatte wesentlich mehr Werke geschaffen; nur wenige seiner Arbeiten sind noch vorhanden. Bei den Kämpfen am letzten Kriegsende im Frühjahr 1945 ging vieles in Trümmer. Geschätzt waren auch seine Stuckornamente und Figuren an und in den Häusern in und um Edewecht.


Die Enkelin von Heinrich Albrecht, Thea Bruns geborene Albrecht aus Edewecht, hat uns einiges von ihrem Großvater erzählt. Er stammte aus Bremen-Wollmershausen, wo er mit sechs Brüdern aufwuchs. Alle sieben Brüder „wanderten“ von Bremen aus.

Der spätere Edewechter Heinrich Albrecht erlernte das Stuckhandwerk in Groningen in den Niederlanden. Sein erster Sohn, der Vater von Thea Bruns, wurde 1883 in Holland geboren. Zwei weitere Kinder, ein Junge und ein Mädchen, folgten; sie leben alle drei nicht mehr. Heinrich Albrecht siedelte nach seinem Groningen-Aufenthalt als selbstständiger Handwerker nach Edewecht um. Anfangs wohnte er mit seiner Familie in einem gemieteten, bäuerlichen Haus „Auf dem Brink“ (heute das Grundstück Hauptstraße 27).
Heinrich Albrecht schaffte 1889 „sein Kaiserdenkmal“, da ihn der Tod des Kaisers Friedrich III sehr bewegte. Der Monarch hatte nur 99 Tage regiert; er erlag einem Krebsleiden. Am Herdfeuer bei zu Klampen am Markt (heute Gasthof Am Markt) verkündete Albrecht damals seinen Entschluß, dem Kaiser ein Denkmal zu setzen. Er wurde beim Wort genommen und schaffte die Zementplastik in einer von ihm gesetzten, kurzen Frist. Das Schwert für das Denkmal wurde von Schmied Frers aus der Nachbarschaft gefertigt. Zu dieser Zeit wohnte Albrecht noch auf dem „Brink“. Der Feldherrnstab wurde später einmal von Bubenhand mutwillig abgebrochen und wieder repariert.

Maurermeister Albrecht kaufte von der Familie Orth ein Stück Land „Auf der Loge“. Das Haus der Familie stand bis vor einigen Jahren am Ende des nach ihm benannten, neuen „Albrechtweg“. Überflutungen zu Regenzeiten, die im Göhlen nicht unüblich waren, bedeuteten für Albrechts damals, so gut wie von der Außenwelt abgeschnitten zu sein. Sie besaßen jedoch ein Boot, mit dem die Versorgung der Familie sichergestellt war. Pfiffige Lausbuben liehen sich das Boot manchmal aus.

Das Denkmal des Kaisers Friedrich III stand zuerst am Anfang der heutigen Janstraße. Bei der Einweihung am 14. Juli 1889 marschierten die Edewechter Lehrer mit ihrer gesamten Schülerschaft sowie viele Vereine aus Edewecht, Jeddeloh, Scheps und Zwischenahn auf. Nach dem Absingen eines patriotischen Liedes hielt Pastor Axen die Festrede. Gemeindevertreter nahmen das Denkmal in ihre Obhut.

Selbst die Kaiserin ließ zur Einweihung des Denkmals ein Telegramm aus dem saarpfälzischen Homburg senden mit dem Inhalt „ Ihre Majestät, die Kaiserin und Königin Friedrich haben mit Freuden von Euer Wohlgeboren Mitteilung Kenntnis genommen und beauftragen mich Allerhöchst, Ihren besten Dank zu übermitteln. Freiherr von Reichenbach, Hofmarschall“.

Gegen Ende der 20er Jahre mußte die Kaiserfigur wegen Straßenarbeiten einige Jahre ein Schattendasein auf einer Weide an der Vegesacker-/Ecke Holljestraße führen. Das Denkmal lag längs auf dem Erdboden, und Edewechter Kinder hatten ihren Spaß daran, einfach darüber hinweg zu hopsen.

Zwischen Weihnachten und Neujahr 1924 verstarb der Erbauer. Als das Denkmal im Jahr 1932 wieder aufgestellt wurde, kam Heinrich Albrechts Werk nochmals groß heraus. Die Zeitungen berichteten ausführlich über ihn und sein Schaffen. Alte Edewechter aus der Gegend „Vorm Moor“ wissen zu berichten, daß das Denkmal mit Pferden transportiert worden war. Es war auf Holzbalken gestellt und wurde nur wenige Meter von seinem Standort wiedererrichtet. Heute steht „Friedrich III“ an seinem längst vertrauten Standort gegenüber zu der Einmündung „Wallstraße / Oldenburger Straße“. Im Jahr 2010 wurde es aufwendig renoviert.

Quellen:
Als Textgrundlage dienten u. a. ein im Juli 1979 veröffentlichter Artikel der Lokalredakteurin Christel Looks-Theile sowie diverse Zeitungsartikel über das Schaffen von Heinrich Albrecht.
Bilder: Heimatarchiv Edewecht




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