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August Hillner, der 13. Prediger des Bezirks Edewecht/Westerstede (1887–1891)


August Louis Karl Wilhelm Hilner – so sein voller Name – wurde am 26. September 1859 „um 5½ Uhr morgens“ in Neuruppin ein Vierteljahr vor der Eheschließung seiner Eltern geboren. Der Familienname wurde damals so geschrieben. Er wuchs mit zwei Schwestern und einem Bruder auf. Sein Vater Johann Friedrich Hilner starb früh. Die Mutter war Caroline Luise, geborene Böttcher. Sie gehörte in Neuruppin zu den ersten Methodisten und erzog ihn nach christlichen Werten. Ihr Haus war „eine Herberge für die Prediger, die von Berlin aus dort Dienst taten“. Auf seiner Karteikarte, die sich im Zentralarchiv der Evangelischen Kirche in Reutlingen befindet, ist vermerkt, dass er seit seiner Kindheit Methodist gewesen sei. Er absolvierte eine normale Gemeindekarriere: Sonntagsschule, Sonntagsschullehrer und als junger Mann wurde er Predigthelfer, früher hieß das „Ermahner“.



August Hillner


August Hillner war in seinem ersten Berufsleben Mühlenbauer. Er erwarb dafür die Kenntnisse bei seinem Onkel. Die Tätigkeit war anspruchsvoll. Heute wäre dafür vielleicht ein Hochschulstudium notwendig gewesen. Mit 20 Jahren entschied er sich um und studierte drei Jahre Theologie von 1885 bis 1887 am methodistischen Predigerseminar in Frankfurt am Main. Noch jung im Amt eines Predigers bekam er 1887 von der Kirchenleitung unseren Bezirk Edewecht/Westerstede zugewiesen. Er kannte den Bezirk schon, denn hier war er bereits von Mitte 1882 bis Mitte 1883 unter der Anleitung von Prediger Adolf Theis Praktikant. Nach einem weiteren Praktikum 1883/84 in Flensburg und nach Abschluss des Studiums kam er jetzt wieder nach Edewecht.


Haben die Mitglieder des Edewechter Bezirks der Kirchenleitung signalisiert, dass sie ihn wiederhaben möchten? Wahrscheinlich nicht, denn in diesen Dingen konnte man die Kirchenleitung in jener Zeit sicher nicht beeinflussen. Er war vier Jahre Prediger in Edewecht und Westerstede. Danach ging es für drei Jahre wieder nach Flensburg, dann nach Mitteldeutschland. Dort leitete er die Bezirke Schleiz (1894–96), Remptendorf (1896–99), Zschopau (1899–1902), Gera (1902–1908), Oelsnitz (1908–1910) und Görlitz (1910–1913). Nach seiner Dienstzeit im schlesischen Glogau (1913–1915) war er seelisch und körperlich so geschwächt, dass er sein Predigeramt aufgeben musste. Ein Sohn starb als Soldat im Krieg, ein anderer kam in englische Gefangenschaft. Aber, seine Kräfte kehrten zurück und er nahm 1917 als Ruheständler die Arbeit wieder auf. Er sah, dass jetzt gegen Ende des trostlosen Krieges jeder gebraucht wurde. Fünf Jahre war er auf dem weiträumigen Bezirk Schleiz/Remptendorf/Leutenberg/Pössneck mit Sitz in Gera tätig um schließlich wieder in hauptamtlicher Funktion 1922 in Triebes seinen Dienst endgültig zu beenden.


Er war, nun im 69. Lebensjahr stehend, körperlich müde. Vom Predigtdienst kommend, brach er kurz vor seiner Wohnung zusammen. Sein chronisches Lungenleiden, von dem er sich kurz erholte, kam zurück und er litt zunehmend an großer Atemnot. Er besuchte ein letztes Mal die Vierteljährliche Konferenz seines Bezirks. Er gab noch einmal einen kurzen Überblick über seine Arbeit. Er schloss mit den Worten: „Das war mein letzter Bericht. Meine Arbeit ist getan. Ich werde die Jährliche Konferenz bitten, mich in den Ruhestand zu versetzten“. Drei Wochen später starb er im methodistischen Krankenhaus Martha-Maria in Nürnberg.


August Hillner fasste sein Leben so zusammen: „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin, und seine Gnade ist nicht vergeblich gewesen.“ August Hillner war 31 Jahre verheiratet. Über seine Ehefrau ist nichts bekannt. Er muss sie – zurückgerechnet – in Edewecht oder Flensburg geheiratet haben. Die Eheleute hatten neun Kinder. Sechs davon waren bei seinem Tod noch am Leben und nahmen an der Beerdigung teil.


Mit Edewecht wird er viele Erinnerungen verbunden haben. Als er am 4. Oktober 1887 eintraf, war auch seine Mutter Caroline Hillner dabei. Sie war während seiner Dienstzeit Mitglied unserer Gemeinde. „Der Evangelist“ berichtete 1889 zwei Mal über den Bezirk Edewecht:


„Aus Edewecht schreibt Br. A. Hillner: „Sonst geht es uns gut. Vier Seelen fanden bereits Vergebung im Blute Jesu, und die Aussichten im Werke des Herrn sind günstiger als zu irgendeiner Zeit meines Hierseins. Der treue Gott wolle uns Sieg geben!“


„Aus Edewecht erhalten wir von Br. A. Hillner folgende erfreuliche Zeilen: Im Werke des Herrn geht‘s gottlob voran. Zwölf Seelen schlossen sich der Kirche auf Probe an. Unter den Bekehrten befinden sich auch einige erwachsene Kinder langjähriger Glieder unserer Gemeinde. Uns ferner der Führung des treusten Freundes anvertrauend, erwarten wir noch größeren Segen vom Herrn.“


In seiner Dienstzeit in Edewecht  fanden zwölf Taufen statt. Lediglich die beiden letzten Kinder taufte er selber, die anderen wurden vom Superintendenten Franz Klüsner vollzogen. Er taufte wahrscheinlich während seiner Besuche anlässlich der Vierteljahreskonferenzen. Vielleicht auch deshalb, weil Prediger Hillner noch nicht „ordinierter Ältester“ war. Er war in den ersten Jahren nach dem Studium noch „ordinierter Diakon“.


Unter den Täuflingen befand sich der spätere Bäckermeister Heinrich Fittje aus Apen, der später mit seiner Familie nach Amerika auswanderte. Sechs Gemeindeglieder starben und wurden beerdigt.


Methodistische Gemeindearbeit wird zu großen Teilen ehrenamtlich getan. Auch das Predigen wurde Laien gestattet. Sie mussten aber kein volles Studium mit den dazugehörigen Praktika ableisten und wurden auch nicht versetzt. Zu diesen „sesshaften Predigern“ gehörte in Hillners Zeiten Heinrich Stoffers aus Edewecht und Johann Wenke aus Edewecht.

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