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Edewechter Köpfe: Als Werner Meinrenken die Fotos von "Jan Opel" rettete

Autorenbild: Heimatarchiv Team
Heimatarchiv Team
vor 7 Stunden
6 Min. Lesezeit

Geboren am 11.08.1933, erlebte Werner Meinrenken als Kind und Jugendlicher den 2. Weltkrieg und dessen Ende in Edewecht. Als Zeitzeuge dieser schlimmen Jahre und des Wiederaufbaus seines Heimatortes hatte er stets ein ausgesprochen hohes Interesse an der Entwicklung des Ortes Edewecht und an den dort lebenden Menschen. Dies hat er mit unzähligen Fotos und Aufzeichnungen dokumentiert, zusammengetragen und archiviert. Diesen „Schatz“ durfte das Heimatarchiv nach Meinrenkens Tod am 21.12.2025 im Laufe des Jahres 2026 übernehmen.


  • Welche Bedeutung hatte das Wirken der Familie Meinrenken für Edewecht?

  • Wer war eigentlich Werner Meinrenken?

  • Welche historische Bedeutung hat die Sammelleidenschaft von Werner Meinrenken für Edewecht ?

 

Diesen Fragen sind wir nachgegangen und geben nachfolgend die Antworten.

 


Die Bedeutung der Familie Meinrenken für das Edewechter Bankwesen

 

Das Wirken der Familie Meinrenken ist seit der Gründung der Spar- und Darlehenskasse e.G.m.b.H. Edewecht (heute Oldenburger Volksbank eG) eng mit dieser verbunden. Am 06. Februar 1898 wurde die Einrichtung der Spar- und Darlehenskasse nach dem Raiffeisen’schen System von 60 Personen beschlossen und das Statut unterschrieben. Den Vorsitz der Genossenschaft übernahm der Hausmann Heinrich Oltmann Oellien. Zum Rendanten wurde der Rechnungssteller Heinrich Meinrenken (Großvater von Werner Meinrenken) gewählt. Die Geschäftsstelle der Bank wurde im Hause von Heinrich Meinrenken eingerichtet.

 

Haus Meinrenken in den 30 er Jahren
Haus Meinrenken in den 30 er Jahren

 

Die Spar- und Darlehenskasse nahm in den folgenden Jahren eine gute Entwicklung, und so wurde am 18. April 1925 die erste Schreibmaschine für den Rendanten Meinrenken angeschafft.

 

Heinrich Meinrenken hat den Posten des Rendanten vom 6. Februar 1898 bis zum 18. April 1941 ununterbrochen bekleidet. Er war eine landbekannte und allseits geachtete und geschätzte Persönlichkeit. Viele Kunden sind in dessen Haus neben der kaiserlichen Post (heute Restaurant CiaoCiao), gekommen, in dem über all die Jahre die Bank ansässig war.


Im Alter von 73 Jahren wurde er auf eigenen Wunsch von dem Amt entbunden. Wohlwissend, dass mit seinem Sohn Heinrich Meinrenken jun. im Laufe der Jahre ein Nachfolger herangewachsen war, der wie sein Vater das Zeug in sich trug, die geschäftliche Führung der Kasse fortzusetzen. Dieser wurde folglich am 18.04.1941 von der Generalversammlung zum neuen Rendanten gewählt.

 

Heinrich Meinrenken sen.. Erster Rendant der Bank von 1898 bis 1941
Heinrich Meinrenken sen.. Erster Rendant der Bank von 1898 bis 1941

 

Heinrich Meinrenken jun. (geb. 20.06.1898) war bereits am 01.09.1939 zu den Waffen gerufen worden, kehrte aber gegen Ende September 1940 in die Bank zurück.

 

Verheiratet war er seit dem 30.12.1930 mit Hertha Meinrenken geb. Lüers (*30.10.1905). Der gemeinsame Sohn Werner wurde am 11.08.1933 geboren. Die Ehefrau von Heinrich Meinrenken sen., Anna Meinrenken, verstarb bereits am 28.07.1933. Somit lebten in dem Haushalt mit Bankfiliale ab Sommer 1933 Werner Meinrenken mit seinen Eltern Hertha und Heinrich jun. sowie seinem Großvater Heinrich Meinrenken sen.

 

Heinrich Meinrenken jun. konnte seine Banktätigkeit als Rendant lediglich für gut zwei Jahre ausüben. Am 11. September 1943 wurde er im Alter von 45 Jahren abermals zum Waffendienst einberufen. Von diesem Einsatz kehrte er nicht heim. Am 25.08.1944 wurde seiner Ehefrau Hertha mitgeteilt, dass ihr Mann in der Nähe von Moskau gefallen sei. Die Ungewissheit über den Verbleib ihres Ehemannes und Werners Vaters ließ Hertha Meinrenken und ihrem Sohn keine Ruhe. Der letzte Schriftverkehr von Werner mit dem Deutschen Roten Kreuz stammt aus dem Jahr 2018.

 

Heinrich Meinrenken jun.. Rendant der Bank von 1941 bis 1943
Heinrich Meinrenken jun.. Rendant der Bank von 1941 bis 1943

 

In den letzten Tagen des 2. Weltkrieges wurde Ende April 1945 das Wohn- und Geschäftshaus der Familie Meinrenken größtenteils zerstört. Ein Großteil der Geschäftsunterlagen der Bank verbrannte. Der Geldschrank war aufgebrochen und der Inhalt entwendet worden. Der Geschäftsbetrieb der Bank wurde provisorisch im Geschäftszimmer der Landwirtschaftlichen Bezugsgenossenschaft Edewecht im Haus von Erich Lüers wieder aufgenommen. Erich Lüers war der Bruder von Hertha Meinrenken und Vorstand der Bezugsgenossenschaft. Im Jahr 1949 wurde Erich Lüers auch in den Vorstand der Spar- und Darlehenskasse gewählt. Aber das sollte nicht das Ende der Verbindung der Familie Meinrenken zur Spar- und Darlehenskasse sein.

 

Das zerstörte Wohn – und Geschäftshaus im Jahr 1945
Das zerstörte Wohn – und Geschäftshaus im Jahr 1945

  

Wer war Werner Meinrenken?

 

Hertha Meinrenken lebte von nun an zusammen mit ihrem Sohn Werner und Schwiegervater Heinrich sen. in einer Art Notunterkunft im nicht zerstörten, hinteren Teil des Hauses. Im Jahr 1954 wurde auf den Grundmauern der Ruine mit einem Neubau begonnen, der noch heute rechts neben dem Restaurant CiaoCiao steht.

 

Wiederaufbau des Hauses im Jahr 1954
Wiederaufbau des Hauses im Jahr 1954

 

Werner besuchte von 1946 bis 1950 die weiterführende Graf-Anton-Günther Schule (Staatl. Oberschule für Jungen in Aufbauform) in Oldenburg. Anschließend trat er in die Fußstapfen seines Vaters und Großvaters und absolvierte vom 01.04 1951 bis 30.09.1953 eine zweieinhalbjährige, kaufmännische Ausbildung bei der damaligen „Spar- und Darlehnskasse e.G.m.b.H., Edewecht. Mit einer kleinen Unterbrechung, vom 01.10.54 bis zum 31.08.56, arbeitete Werner Meinrenken bis zum Eintritt in den Ruhestand am 30.09.1993 als Prokurist in verantwortlichen Tätigkeiten bei der Spar- und Darlehnskasse Edewecht eG und späteren Volksbank Edewecht eG.

 

Das Kriegsende und die schwierigen Umstände danach prägten Werner Meinrenken ungemein. Er konnte sich sehr gut an den Einzug der kanadischen Soldaten in den Ort Edewecht erinnern. Als fast zwölfjähriger Junge hat er die Zeit schon sehr bewusst erlebt und berichtete darüber auch gerne in persönlichen Gesprächen. Der Verlust seines Vaters im Jahr 1944 sowie die Zerstörung des vorderen Teils des Wohn- und Geschäftshauses, in dem bis dahin die Geschäftsstelle der Spar- und Darlehnskasse ansässig war, waren für ihn prägende Ereignisse in seiner Jugend. Aus persönlichen Berichten von Verwandten ist bekannt, dass sein Onkel Erich Lüers, der Bruder seiner Mutter, für Werner so gut wie möglich die Vaterrolle übernahm und viele Jahre eine Vertrauensperson und Ratgeber für Werner war.


Hertha und Werner Meinrenken lebten stets eher zurückgezogen. Persönliche Kontakte beschränkten sich auf den Kontakt zur Familie des Bruders von Hertha Meinrenken, Erich Lüers mit dessen Frau Grete und den Töchtern Inge und Margret. Nach dem Tod seines Onkels und seiner Tante in den 90er Jahren und dem Ableben seiner Mutter, im Alter von fast 95 Jahren, im Jahr 2000, waren seine beiden Cousinen bis zu seinem Tod einige der wenigen Personen, zu denen Werner Kontakt hatte.

 


Haus von Erich Lüers. Hier fand die Spar- und Darlehenskasse nach der Kriegszerstörung des Hauses Meinrenken Unterschlupf.
Haus von Erich Lüers. Hier fand die Spar- und Darlehenskasse nach der Kriegszerstörung des Hauses Meinrenken Unterschlupf.

 

Bereits als junger Mann packte Werner die Reiselust. 1963 fuhr er mit seinem VW-Käfer bis ins damalige Jugoslawien, ausgerüstet mit einer Ersatz-Windschutzscheibe für sein Auto und einer kompletten Campingausrüstung. Es folgten weitere Camping-Rundreisen durch ferne Länder, wie im Jahr 1965 durch die UdSSR oder 1967 nach Marokko. Selbst 1983 fuhr er noch, dann allerdings mit einem VW-Bus, nach Island. Seine Reiseberichte waren immer hochinteressant, da er stets alleine unterwegs war und so auch Kontakt zu Land und Leuten in den verschiedenen Ländern bekam. Auch Länder wie Peru, Neuseeland, Kanada und die USA besuchte er als Studienreisender. Mit zunehmendem Alter seiner Mutter schränkte er seine Reisetätigkeit später ein.

 

Aufnahme von Werner Meinrenken Anfang der 90er Jahre
Aufnahme von Werner Meinrenken Anfang der 90er Jahre

 

Der Sammler Werner Meinrenken

 

Schon als Kind zeichnete Werner Meinrenken seine Sammlerleidenschaft aus. Sein ausgesprochen hohes Interesse an seinem Heimatort Edewecht, den dort lebenden Menschen und dem Geschehen im Dorf ist es heute zu verdanken, dass er unzählige Fotos über Alt-Edewecht im Laufe der Zeit zusammengetragen und archiviert hat. Weiterhin untermauert seine umfangreiche Sammlung an Büchern und Zeitschriften sein Interesse am allgemeinen Weltgeschehen. Sein technisches Interesse findet in einer riesigen Sammlung von Fotoapparten, alten Radiogeräten und Modellautos ihren Ausdruck.

 

Ein ganz besonderer Schatz befindet sich in fünf blauen Metallkoffern. Darin bewahrte Meinrenken Glasplattennegative auf. Es handelt sich um Aufnahmen, die u. a. im 1. Weltkrieg zwischen 1914 und 1918 im und um das Kriegsgefangenenlager Süd Edewechter Moor entstanden. In dem Lager waren zeitweilig bis zu 6000 Kriegsgefangene untergebracht. Es befand sich an der Stelle des späteren Moorgutes Jordanshof in Husbäke.

 

 

Koffer mit Glasplatten
Koffer mit Glasplatten

 

Die Aufnahmen wurden von Johann Eilers (1873-1948) gemacht. Eilers, ein gebürtiger Portsloger, wurde auch "Jan Opel" genannt, da er in seinem Gebäude (heute Bauelemente Eilers und Baguette Express) einen Handel mit OPEL-Fahrrädern (Velozipeds) und ein Fotogeschäft betrieb.

 

Auf zahlreichen Bildern ist u. a. die Ankunft der Kriegsgefangenen auf dem Edewechter Bahnhof sowie deren bewachter Marsch durch den Ort Edewecht ins Süd-Edewechter Moor zu sehen. Auch sieht man auf den Fotos Abordnungen aus dem Lager, die mit Handkarren die anfallende Post für die inhaftierten Polen, Russen, Engländer und Franzosen abholten.

 

Aus den Erzählungen von Werner Meinrenken ist überliefert, dass er kurz nach dem Tod von Johann Eilers im Jahr 1948 beobachtete, wie bei der Räumung des Gebäudes des Fotografen die Negativplatten aus Glas aus dem Obergeschoss auf Pferdewagen geworfen und zur Wegebefestigung auf die Loge gefahren wurden. Werner Meinrenken machte sich sofort auf den Weg und sammelte dort sämtliche Einzelstücke der zerstörten Negative aus Glas wieder ein und stellte diese zu Hause sicher. Später klebte er die Einzelstücke in mühevoller Handarbeit wieder zu Negativplatten zusammen. Aufgrund seines sehr großen Interesses für die Fotografie stellte er Jahre später mit teilweise selbst gebastelten Konstruktionen zur Belichtung der Negative gestochen scharfe Bilder in hervorragender Qualität her. Einen Ordner mit den Bildern hatte Werner Meinrenken bereits im Jahr vor seinem Tod an das Heimatarchiv übergeben, dieses mit dem Hinweis, dass wir die Originalplatten nach seinem Tod bekämen.

 

Wohn- und Geschäftshaus von "Jan Opel"
Wohn- und Geschäftshaus von "Jan Opel"

 

Das Team vom Heimatarchiv ist froh und stolz, dass es gelungen ist, solch einen umfangreichen Bestand an historischen Unterlagen und Fotos für die Nachwelt zu sichern und zu bewahren. Die Archivare bedanken sich recht herzlich bei den Erben Werner Meinrenkens, die ihnen den Zugriff auf die Unterlagen in den vergangenen Monaten ermöglicht haben. Insbesondere und ausdrücklich bedankt sich das Archivteam post mortem bei Werner Meinrenken für dessen unermüdliches Engagement, diese wertvollen Edewechter Unterlagen sicherzustellen, zu bewahren und letztendlich vertrauensvoll dem Edewechter Heimatarvchiv zu überlassen. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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