top of page
  • AutorenbildJohann Lüschen

Bernhard Schröder – Der sechste Prediger des Bezirks Edewecht / Westerstede (1869–1872)

Mit Prediger Bernhard Schröder wird wieder ein Norddeutscher Leiter des methodistischen Bezirks Edewecht/Westerstede. Auch seine Frau war eine Norddeutsche aus Pommern. Das von beiden beherrschte Plattdeutsch war sicher von Vorteil für die Arbeit im Ammerland.


Über Bernhard Schröder ist verhältnismäßig wenig überliefert. Die meisten Informationen über sein Leben können wir seinem Nachruf entnehmen. Dort sind alle Bezirke genannt, in denen er Prediger war. Allerdings suchen wir Edewecht vergeblich. Der Verfasser des Nachrufs hat Edewecht und Esens verwechselt. Auch die Reihenfolge „seiner“ Gemeinden ist nicht ganz richtig wiedergegeben. Er kam am 12. Juli 1869 aus Gößnitz in Thüringen nach Edewecht. Er verließ am 24. Juli 1872 die Edewechter Gemeinde, um den Delmenhorster Bezirk zu übernehmen.





Bernhard Hinrich Schröder wurde am 15. Februar 1839 in Lemwerder, Landkreis Wesermarsch, als Sohn des Heinrich Schröder und seiner Frau Anna geborene Lindner geboren. Er war Soldat in den Kriegen gegen Dänemark und Österreich.

Bernhard Schröder studierte von 1863 bis 1865 am Predigerseminar in Bremen. Er war danach 40 Jahre Prediger in den Gemeinden Bremen-Vegesack, Greifenberg in Pommern, Gößnitz in Thüringen, Edewecht, Delmenhorst, Esens, Kolberg in Pommern, Dillenburg in Hessen, Horgen, Schaffhausen, Thalwill, Turbenthal, Sissach und Stein am Rhein. Zuletzt wohnte er mit seiner Frau in Bülach.


Bernhard Hinrich Schröder starb am 15. November 1908 in Bülach.


Während seiner Amtszeit in Greifenberg in Pommern lernte er seine Frau, Anna Elisabeth Schwarz, kennen. Er heiratete sie 1869 in Gößnitz in Sachsen und in Edewecht kamen die beiden Söhne zur Welt: Johannes Henry wurde am 3. März 1870 und sein Bruder Adelbert Samuel Martin am 16. Mai 1872 in der Predigerwohnung der Methodistenkirche in Südedewecht geboren. Johannes Henry erwarb den Doktortitel und wohnte 1909 in Egg /Kanton Zürich in der Schweiz. Adelbert Samuel Martin wanderte nach Amerika aus. 1909 war er Direktor einer Versicherung in Philadelphia. Er starb 1947.


In Edewecht angekommen, war Bernhard Schröders erstes Projekt die Distriktsversammlung der Distrikte Bremen und Oldenburg, die am 19. und 20. Oktober 1869 in Edewecht tagte. Im Sommer wurde die Bahnstrecke von Oldenburg nach Leer der Großherzoglich Oldenburgischen Eisenbahn eröffnet. Ob schon einer der Prediger dieses Transportmittel für die Fahrt nach Edewecht nutzte? Vielleicht aber kam auch jemand mit der Kutsche. In beiden Fällen mussten sie mit Pferd und Wagen von Zwischenahn abgeholt werden. Einige Pastoren werden auch zu Fuß gekommen sein. Auf jeden Fall musste der Fahrdienst, aber auch die Unterbringung organisiert werden.


Im November wurde die erste Vierteljährliche Konferenz in seiner Amtszeit gehalten. Sie fand in Specken im Haus der Familie Garnholz statt. In ihr berichtete Prediger Bernhard Schröder ernüchternd: „Die Sonntagsschulen sind auf allen Plätzen regelmäßig gehalten worden, jedoch ist der Besuch ein geringer. Kaum 50 Kinder in allen Schulen. Im Winter hoffen wir auf bessere Zeiten. Die Glieder sind mit wenig Ausnahme ernst, doch die Besuche der Gottesdienste geringer. Die Abend-Veranstaltungen wurden noch schlecht besucht. Bekehrungen sind nicht zu berichten.“


Für das Jahr 1870 wurde im Jahrbuch der Missionsgesellschaft festgehalten, dass der Bezirk Edewecht/Westerstede sehr groß sei und 3 Kapellen habe. Es wird von 7 Predigtplätzen und 6 Sonntagsschulen berichtet. Der Gemeindeprediger würde von Lokalpredigern unterstützt und die Mitglieder des Bezirks seien „Methodisten von ganzem Herzen.“


Die Vierteljahreskonferenz Ende Januar 1870 gibt folgendes Bild des Bezirks: „Die Zahl der Kinder in den Sonntagsschulen hat sich etwas vermehrt, auch scheint mehr Ernst unter den Kindern zu herrschen. Der Herr gebe uns seinen Segen. Die Versammlungen wurden auf einigen Plätzen gut, auf anderen weniger gut besucht. Etliche Seelen scheinen erweckt zu sein und wir leben der Hoffnung, der Herr werde sein Werk beleben. Die Glieder befleißigen sich gottselig zu leben …“


Es wurde beschlossen, „Bruder Wenke zu beauftragen, die Opferbüchse mit Verschluß machen zu lassen.“ Vielleicht gab es in dieser Beziehung schlechte Erfahrungen.

Eine günstigere Bestandsbeschreibung gab es in der Vierteljahrskonferenz im Juni auch nicht: „In Hinblick auf das verflossene Conferenzjahr fühlen unsere Herzen wehmüthig, daß in diesem Theil des Weinbergs des Herrn keine sichtbaren Früchte der Arbeit wahrzunehmen sind. Doch wollen wir in Hoffnung auch ferner den guten Samen in der Furcht des Herrn auszustreuen suchen. Herr stärke unseren Glauben. Auch … ist leider kein Zuwachs zu berichten, sondern Abnahme, welche theils durch Auswandern, theils durch Ausschluß entstanden ist. Die Gemeinde selbst ist in Liebe verbunden und alle Herzen sehnen sich nach einer neuen Erweckung. O Herr belebe Dein Werk.“


Im September wird festgestellt:„Der Besuch der Sonntagsschulen war den Sommer über gering; die Ursache ist, daß viele Kinder das Vieh hüten müssen, welches sich aber zum Winter ändert. Wir hoffen recht bald katechetischen Unterricht beginnen zu können.

Es sind auf dem Bezirk 5 Schulen, 60 Kinder, 10 Lehrer u. Lehrerinnen. In Dänikhorst ist die Schule wegen Mangel an Lokal eingegangen. Die Gottesdienste werden theilweise gut besucht, doch einige Glieder zeigten große Nachlässigkeit darin, und alle Ermahnungen scheinen bis jetzt fruchtlos zu sein. Wochentagsveranstaltungen mussten unterbleiben, weil die Leute wegen überhäufter Arbeit nicht kommen können. Durch den Wegzug der Familie Mertens in Dänikhorst nach Amerika haben wir 4 Glieder und einen Predigtplatz verloren, andere 4 Glieder mußten entlaßen werden, 2 Kinder wurden getauft. Möge der Herr uns mit einer neuen Belebung erfreuen.“


Im Januar 1871 wird die Gemeinde von Prediger Bernhard Schröder so beschrieben:

„Unsere Sonntags-Schulen werden von circa 80 Kindern regelmäßig besucht. 5 erwachsene Kinder erhalten regelmäßig wöchentlich 2-mal katechetischen Unterricht. Obwohl wir noch keine besonderen Früchte sehen, wollen wir doch getrost fortfahren die Kinder zu Jesu dem Sünderheiland hinzuweisen. Die Zahl der Lehrer und Lehrerinnen beläuft sich auf 10.

Im Verlauf des letzten Vierteljahres haben wir auf allen Plätzen in den Wochentagen regelmäßig gepredigt. Die Versammlungen wurden theilweise gut besucht. Die Gemeinde ist mit wenig Ausnahme in Liebe verbunden. Einige verirrte Seelen zeigen auch Reue und Besserung. Zwei Glieder mußten wegen offenbaren sündigen Lebenswandel ausgeschlossen werden. In Westerscheps und Godensholt haben wir Aussicht auf Zuwachs.“


Auch in den folgenden vierteljährlichen Konferenzen wird eine Gemeinde beschrieben, die Stillstand erlebt. Tragende Säulen des Bezirks wanderten aus. Es waren wohl die aktivsten Mitarbeiter, darunter Lokalprediger und Sonntagsschullehrer. Das hatte sicherlich eine Mutlosigkeit in der Gemeinde hervorgerufen. In diesem Jahr mussten dringende Reparaturen an den Petroleumlampen der Kirche durchgeführt werden.


Im letzten Jahr seiner Tätigkeit in Edewecht wurde in Westrhauderfehn wieder regelmäßig gepredigt. Auf dieser Predigtstation war Friedrich Eilers, der spätere Prediger, sehr aktiv. Die Arbeit dort wurde von Amerika aus unterstützt.


Am Ende seiner Arbeit zieht Prediger Schröder eine ernüchternde, sehr ehrliche Bilanz seiner Arbeit: „Ich traf auf dem Bezirk 82 volle Glieder und 3 Probeglieder, wovon 1 in voller Verbindung aufgenommen und 2 entlassen werden mussten. Angeschlossen haben sich 8 Glieder auf Probe, wovon 3 in volle Verbindung aufgenommen wurden. 3 stehen noch auf Probe, 2 sind mit Schein verreist, 1 Glied hat sich taufen lassen. Gestorben sind 6 Glieder. Ausgewandert nach Amerika sind 13 und sonst 2 mit Schein verreist. Ausgeschlossen 12. Mithin beläuft die gegenwärtige Zahl auf 59 volle Glieder und 3 Probeglieder. Einige werden sich aber noch anschließen.“


Die Amtszeit von Prediger Bernhard Schröder war hart. Er trug sicher maßgebend dazu bei, dass der Bezirk überlebte. Dafür muss die Gemeinde von heute ihm noch dankbar sein.

Comments


Commenting has been turned off.
bottom of page